Auf nach Irland: ein Starter Guide (Teil 2)

Die ersten Wochen in einem fremden Land können sehr aufregend und vielleicht auch etwas überwältigend sein. Überall prasseln neue Eindrücke auf einen ein und es gibt viel Neues zu entdecken.  Um nicht ganz unvorbereitet zu sein, habe ich einen kleinen Irland Starter Guide für euch zusammen gestellt. Im ersten Teil habe ich euch erzählt worauf ihr vor dem Abflug und nach Ankunft achten solltet. Im zweiten Teil möchte ich auf die kulturellen Besonderheiten Irlands eingehen und erzählen was ihr nach der Ankuft auf der grünen Insel zu erwarten habt. Ich habe ein paar Videos in diesen Beitrag eingefügt, die die Besonderheiten der irischen Kultur unterstreichen sollen.

Welcome to Ireland – Fáilte go hÉirinn

Wenn ihr am Flughafen in Irland ankommt wird euch als Erstes aufallen, dass Schilder und Wegweiser zweisprachig beschriftet sind. Neben Englisch, könnt ihr überall die irische Sprache sehen. Gaeilge (Gälisch im Deutschen) ist eine keltische Sprache und wird von 1,6 Millionen als Zweitsprache gesprochen. Es  gibt sogar noch ein paar Regionen in Irland in denen nur gälisch gesprochen wird. Diese Regionen werden zusammenfassend als „Gaeltacht“ bezeichnet und befinden sind im Westen des Landes, unter anderem in Connemara, Dingle oder Donegal im Nordwesten.

In den größeren Städten Irlands werdet ihr allerdings selten jemanden gälisch sprechen hören. Die Sprache wird zwar an allen irischen Schulen als Pflichtpfach unterrichtet, die Prozentzahl an Iren, die auch nach dem Abschluss noch regelmäßig sprechen, ist jedoch verhältnismäßg klein.

Ein Arbeitskollege har vor Kurzem einen tollen Kurzfilm auf Twitter geteilt, der die heutige Situation und den Umgang mit der gälischen Sprache in Irland sehr gut wiedergibt.

Nachdem ihr den Flughafen verlassen und euch mit Auto oder Bus Richtung Innenstadt macht geht es auch schon weiter…wartet mal…wo will denn der Bus hin? Wir fahren doch auf der falschen Straßenseite! In Irland fährt man, wie in England auch, auf der linken Seite und der Busfahrer wird euch wahrscheinlich mit einem lockeren “How are ya?” begrüßen. Eine ausführliche Antwort ist hier nicht von Nöten, ein genuscheltes “Good, thanks (and youself?)” ist vollkommen ausreichend.

Wahrscheinlich werdet ihr schon kurz nach Ankuft feststellen, dass die Iren für ihr Leben gern schnacken und wahre Meister im Smalltalk sind. Ob nun an der Hotelrezeption oder an der Theke im Pub, für einen kurzes Gespräch ist immer Zeit. Hauptthemen sind in Irland entweder das Wetter oder die letzten Sportergebnisse.

Sport geht in Irland immer, ob es nun Golf ist, Fußball, Rugby, Pferderennen oder Gaelic Football und Hurling. Die letzten beiden Sportarten sind einzigartig für Irland und wenn ihr die Chance habt ein Spiel live zu sehen, dann tut das. Das Highlight jeden Jahres ist das Championship Finale, welches in Dublin stattfindet. Im Croke Park, dem drittgrößten Stadion in Europa, treffen sich jeden September 82.300 sportverrückte Iren und etliche mehr vor dem heimischen Fernseher oder im Pub um das Spiel zu verfolgen. Mehr Informationen zu beiden Sportarten findet ihr hier.

Wenn man aus Deutschland kommt und in Dublin unterwegs ist fällt einem auf, dass Verkehrsregeln nur teilweise eingehalten werden. Anfangs werdet ihr wahrscheinlich noch brav an jeder roten Ampel anhalten, aber ich kann euch versprechen, dass ihr euch relativ schnell anpassen werdet. Auf Busse solltet ihr jedoch immer Acht geben, die kennen keine Gnade und bremsen nur sehr ungern ab. Immer mehr Iren fahren zudem mit dem Rad und es gibt natürlich den ein oder anderen Chaoten, der sich zwischen den Autos hindurchquetscht und die Ampelphasen zwar wahrnimmt, aber trotz alledem gekonnt ignoriert.

Solltet ihr mal mit dem Bus fahren wollen, dann nicht darauf vertrauen, dass der Bus automatisch an der Haltestelle anhält. Mehrere Dublin Bus Routen halten an der selben Haltestelle und stoppen nur, wenn man ihnen ein Handzeichen gibt. In den gelben Bussen in Dublin (Dublin Bus) zahlt man bar und sollte das Geld immer passend dabei haben. Scheine werden nicht akzeptiert und die Münzen werden neben dem Fahrer in eine silberne Metallschale geworfen. Auf der Internetseite von Dublin Bus könnt ihr euch über Routen, Fahrpläne und Preise informieren.

Etwas, an das ich mich auch nach drei Jahren in Irland nicht gewöhnt habe, ist das Wetter. Da das Klima in Irland milder ist als in Deutschland (Durchschnittstemperatur 10°C) habe ich besonders am Anfang durchgehend gefroren. Die Winter sind zwar etwas wärmer (Tiefsttemperatur: ca. 3°C), dafür wird es im Sommer einfach nicht richtig warm (Höchsttemperatur: ca. 19°C). Sonnenschein und Regen können sich im Sekundentakt abwechseln. Wenn man aus dem Fenster guckt könnte man meinen, dass sommerliche Temperaturen herrschen nur um ein paar Minuten später in einen eisigen Wind zu treten. Mehrere Schichten sind in Irland as A und O und eine Regenjacke sollte man ebenfalls besitzen. Lasst euch nie von den Iren täuschen! Die meisten holen schon bei den ersten Sonnenstrahlen im Frühling die kurzen Hosen und Flip Flops aus dem Schrank.

Pub

Nach einem langen Tag gibt es nichts Besseres als mit einem Pint in einem der vielen irischen Pubs anzustoßen, davon gibt es 6,984 in Irland, 751 in Dublin. Einen ausführlichen Beitrag zur irischen Pubkultur findet ihr hier. In den meisten Pubs wird am Abend Livemusik gespielt und ihr werdet feststellen, dass die Iren nicht nur eine sportliche sondern ebenfalls eine sehr musikalische Nation sind. Irische Folkmusik ist seit dem 17. Jahrhundert nachweisbar und wird auch als keltische Musik bezeichnet. Mit Flöte, Geige, Akkordeon, Dudelsack, Querflöte und Co. wird eine ganz besondere Musik erzeugt. Die Iren lieben es zudem zu singen, zu dichten und Geschichten zu erzählen. Das ist allerdings Material für einen eigenen Beitrag.

Zum Ende möchte ich euch noch auf ein ganz besonderes Kulturgut der Iren aufmerksam machen: Father Ted. Eine Sitcom aus den späten Neunzigern, die auch heute noch täglich von Iren zitiert wird. Sollet ihr die folgenden Zitate hören, könnt ihr euch sicher sein, dass ihr es mit waschechten Iren zu tun habt:

  • Down with that sort of thing.
  • That would be a ecumenical matter.
  • Feic, arse, drink, girls.
  • Go on, go on, go on, go on…
  • These are small, but the ones out there are far away.

…das könnte jetzt ewig so weiter gehen.

Solltet ihr noch mehr über die irische Kultur erfahren wollen dann schaut euch mein Video “Traditional Treasures of Arklow” an. Das Video ist auf der Startseite meines Blogs zu finden.