Pubkultur

Pubs und Irland sind zwei Dinge die sich nicht voneinander trennen lassen. Vor allem wenn es draußen mal wieder regnet und stürmt, ist der Pub ein geeigneter Zufluchtsort. Ich hatte ja innerlich gehofft, dass die Geschichten über das irische Wetter nicht zu 100% wahr sind und habe mich heimlich doch am Meer in der Sonne liegen sehen. Leider bleibt dies eine Wunschvorstellung, denn das Wetter läßt momentan leider zum Wünschen übrig. Ein paar sonnige Stunden sind zwar dabei, aber die Wolkendecke bekommt leider immer wieder die Oberhand. Zudem ist es sehr schwül und das, obwohl die Temperaturen selten über die 20° Marke kommen. Besonders neidisch werde ich momentan wenn ich mir den deutschen Wetterbericht anschaue und hoffe innigst, dass mich das Bremer Wetter nicht im Stich lässt und ich wenigstens ein paar sonnige Tage während meines Heimatbesuches Ende August erhasche.

Ich drücke außerdem allen Bremern die Daumen auf Sonnenschein während der Breminale am kommenden Wochenende🙂

seasons(Foto: http://www.kingfishercycletrail.com/wp-content/uploads/2012/11/seasons.jpg)

Wie gesagt, dass Wetter eignet sich momentan eher für einen Besuch im lokalen Pub als den Strand. Der Name „Pub“ stammt aus dem viktorianschen Zeitalter und ist die Kurzform für „Public House“. Ursprünglich waren die „Public Houses“ privat, was heißt, dass einer Bewohner der Dorfes die restlichen zu sich einlud, kochte und Getränke ausschenkte. Daraus entwickelte sich auch das Interior der heutigen Pubs, welches dem eines Wohnzimmers gleicht. Es gibt viel Holz, Bilder and den Wänden, Sessel und Sofas und in irgendeiner Ecke knistert immer ein Feuer im Kamin. Was mich jedes Mal überrascht ist das äußere Erscheinungsbild der Pubs. Die Fenster sind oft getönt und man kann selten einen Blick in Innere erhaschen. Man sollte sich jedoch nie von der Fassade abschrecken lassen, denn selber hinter der heruntergekommensten Hauswand kann sich ein wunderschöner und gemütlicher Pub verstecken. Ich muss zugeben, das ist in Deutschland meistens anders und wenn das äußere Erscheinungsbild nicht stimmt wird es drinnen mit großer Wahrscheinlichkeit auch nicht viel besser😉

Ich lebe nun beinahe ein Jahr in Irland und habe natürlich den ein oder anderen Pub besucht. Dabei habe ich gelernt, dass es bestimmte Regeln gibt die jeder Besucher beachten sollte und die ich nun mit euch teilen möchte😉150

Sweetman Craft Beer Brewery, Dublin

1.) Wie ich schon gesagt habe, schreckt nie vor dem äußeren Erscheinungsbild zurück. Die meisten Pubs in Irland sind wirklich schön und man kann wahre Schmuckstücke entdecken, wenn man sich erst einmal durch die Tür getraut hat.

2.) Ist man im Pub selber, sollte man sich zu aller erst an die Bar begeben. Die Kellner kommen in der Regel nicht zu einem um die Bestellung aufzunehmen. Das ist natürlich auch wieder in jedem Pub anders, aber wer nicht lange auf sein Getränk warten will geht an die Bar und bestellt direkt.

3.) Hierbei sollte man sein Geld nicht zu offensichtlich in der Hand halten oder schlimmer, mit dem Geld in der Luft herumwedeln. Die Iren sind ein sehr höfliches Völkchen und Geduld wird hoch geschätzt. Zudem sollte man sich seiner Bestellung sicher sein bevor man an die Bar geht. Fängt man erst an zu überlegen was man gerne bestellen würde, wenn sich der Barkeeper an einen wendet, ist dieser auch schnell wieder verschwunden.

4.) Bei Bestellungen an der Bar wird kein Trinkgeld gegeben.

5.) Wenn mehrere Getränke bestellt werden, sollte das Guinness immer zuerst genannt werden. In Gegensatz zu den Ale´s und anderem Bier, nimmt das Zapfen eines Guinness immer etwas mehr Zeit in Anspruch. Das Glas wird erst bis zu Häfle gefüllt und es dauert eine Weile bis sich der Schaum gesetzt hat. Erst dann, wird das Glas komplett gefüllt. Sollten anderen Getränke auf der Bestellung stehen, kann sich der Barkeeper erst um das Guinness kümmern und in der Zwischenzeit die anderen Getränke zapfen.

Bevor man sein Guinness trinkt, muss man übrigens auch eine Weile warten bis sich der Schaum gesetzt hat und das Bier seine berühmte schwarze Farbe hat.

6.) Wer mit anderen Iren trinkt sollte über das „Rundensystem“ Bescheid wissen. Ist man zum Beispiel in einer Gruppe von Vier geht jeder einmal zur Bar und holt die Getränke. Am Ende hat jeder vier Bier bezahlt sowie getrunken. Die Gruppen sollten natürlich eine gewisse Anzahl an Leuten nicht überschreiten😉 Wer den Pub verläßt ohne seine Runde bezahlt zu haben, verliert erheblich an Beliebtheit unter seinen Kumpanen/innen.

7.) Mark, ein großer Fan des Pints, hat mir erzählt, dass es sich gehört einen ordentlichen ersten Schluck vom Guinness zu nehmen. In alten Zeiten wurde das Glas in drei Zügen leer getrunken. Zudem sollte das Glas nach jedem Schluck ein wenig gedreht werden, damit sich der Schaum nicht auflöst und das Guinness seinen berühmten „Head“ beibehält.

In Cork wird übrigens kein Guinness sondern Murphys getrunken. Wer Urlaub in Dublin macht wo Guinness besonders in der Innenstadt recht teuer ist (teils über 5€), kann auf ein Pint Beamish zurückgreifen.

8.) Sollte man nach dem Bier Lust auf einen Kaffee verspüren heißt es: erst die Uhr checken. Nach 21 / 22 Uhr werden in den meisten Pubs die Kaffeemaschinen abgestellt und gereinigt.

9.) In den meisten Pubs gibt es auch etwas zu Essen, das erkennt man meistens schon an einem Schild vor der Tür: „Food served here“. Das Essen ist oft herzhaft, es gibt beinahe immer Fish & Chips, Burger, Sandwiches und den bekannten Irish Stew. Zum größten Teil kann man das Essen am Tisch bestellen, machmal gibt es aber auch eine Art Kantine.

Für den kleinen Hunger empfehle ich die „Soup & Sandwich Combo“🙂

10.) In beinahe jedem Pub gibt es in den Abendstunden Livemusik. Hierbei gilt, wie auch an der Bar, dass es für die Musiker kein Trinkgeld gibt. Viele Bands werden für ihre Auftritte gut bezahlt.

11.) Was für mich am Anfang besonders ungewohnt war, sind die Öffnungszeiten. In Dublin schließen die Pubs in der Woche um 23.30. Freitag und Samstag ist um 24.30 Schicht im Schacht. Natürlich gibt es Pubs, die etwas länger aufhaben. Diese heißen „Late Bars“ und sind bis 2.30 geöffnet.

12.) Last but not least: wer Glück hatte konnte seinen Abend in einem der beliebten Snugs verbringen. Der Snug ist ein kleiner, abgeschlossener Raum – teils von der restlichen Bar durch Holzwände getrennt. In alten Zeiten wurden im Snug der Verkauf von Vieh & Co. verhandelt. Größtenteil kann man seine Getränke aus dem Snug heraus bestellen, da dieser dierekt neben der Theke liegt.

haha
Und nun: Viel Spaß beim nächsten Pubbesuch🙂