Lebenshaltungskosten

Zu allererst muss ich euch leider enttäuschen und sagen, dass das Leben in Irland um einiges teurer werden kann als in Deutschland, angefangen mit der Unterkunft.

In den Jahren des “Celtic Tigers” von Mitte 1990 bis Mitte 2000 erlebte Irland einen Wirtschaftsaufschwung und gerade das Bauwesen profitierte von diesem. Neue Häuser schossen überall aus dem Boden. Die Strafe für die übermäßigen Ausgaben des Landes folgten jedoch auf dem Fuße. Die Wirtschaftskrise (2007-2013) brachte den Bauboom zum Stop und auch viele andere Bereiche des irischen Lebens. Seitdem arbeitet die irische Regierung am Wiederaufbau einer stabilen Wirtschaftslage – um dieses Ziel zu erreichen wurden unter anderem die Steuern erhöht und aus dieser Vergangenheit resultieren ebenfalls die momentan herrschenden, kaum zu bezahlenden Mietpreise. Zwar wird momentan versucht Mietpreise und die daraus resultierende Obdachlosigkeit unter Kontolle zu bekommen,  getan hat sich allerdings noch nicht viel, ganz im Gegenteil, die Preise steigen weiter. Der Grund hierfür sind große Firmen wie Apple, Google, Facebook und Co. Mehr als 600 amerikanische Firmen haben ihren Hautptsitz in Dublin, profitieren von dem niedrigen Unternehmenssteuersatz von 12,5 % (29,83 % in Deutschland) und tragen zur Verbesserung der Wirtschaftslage bei. Die somit steigende Zahl an Jobangeboten zieht mehr und mehr Leute in die Stadt. Die Wohnungsanfrage steigt und daraus resultierend natürlich auch der Preis. Bekannte haben mir erzhlt, dass sich bei Wohnungsbesichtigungen teilweise Schlangen von Interessenten bilden.

Ich wohne in Kilcock, was sich zu meiner Zeit als Student an der Maynooth University als sehr sinnvoll erwiesen hat, da ich mit dem Bus innerhalb von 5 Minuten an der Uni war. Nun arbeite ich allerdings in Dublin und bin jeden Morgen und Abend für 1 1/2 bis zu 2 Stunden unterwegs. Ein Umzug kommt aber wegen der oben genannten Mietpreise nicht in Frage.

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In Irland wird eine Wohnung nicht nach Anzahl der Zimmer (neben Küche und Bad) und Quadratmetern berechnet, sondern nach Anzahl der vorhandenen Schlaf- und Badezimmer. Ich lebe in einer zwei (Schlaf)zimmerwohnung mit einem Bad, 34km außerhalb Dublins gelegen und zahle monatlich 750€ Miete. Da ich mit meinem Freund zusammen lebe, zahle ich nur die Hälfte, was zu verkraften ist. Ganz anders wird einem allerdings wenn man sich die Mietpreise in der Innenstadt anguckt –  dort zahlt man für eine ähnliche Wohnung bis zu 2000€ im Monat, Nebenkosten noch nicht mit einberechnet. Selbst in den Randbezirken sind die Mietpreise noch extrem hoch, weswegen immer mehr Leute in ländlichere Gegenden ziehen und die hohen Pendelzeiten in Kauf nehmen.

Die Nebenkosten belaufen sich im Monat auf ca. Folgendes hinaus:

  • Internet und Telefon – 50- 60€
  • Fernsehen z.B. Sky – 30,00€
  • Strom – 100,00 €*

* hier kommt es immer auf den jeweiligen Anbieter und auf das in der Wohnung vorhandene Heizsystem an. Wir haben “Storage Heating”, das Heizsystem wird einmal angeschaltet und gibt je nach Raumtemperatur die über Nacht gespeicherte Wärme ab. Das heisst allerdings auch, dass man die Heizung nicht abschalten kann, da sonst ein spontanes Heizen des Raumes unmöglich ist. Die Heizkörper haben zwar neben diesem System auch noch einen Ventilator, der sich anschalten lässt, welcher aber noch mehr Strom frisst und die Heizkosten in die Höhe schießen lässt. Aus diesem Grund haben wir uns eine kleine  Ölheizung gekauft, welche nach Lust und Laune an- und ausgeschaltet werden kann. Somit sparen wir auch etwas an Stromkosten.

Für Wasser muss man in Irland momentan nicht bezahlen. Die irische Regierung hatte versucht Wasserkosten einzuführen, ist aber auf große Ablehnung seitens der Bevölkerung gestoßen. Für einige Monate sind Wasserrechungen ins Haus geflattert und Wasserzähler wurden installiert, allerdings haben nicht einmal die Hälfte der Haushalte ihre Rechungen bezahlt. Mit Eintritt der neuen Regierung im Frühjahr 2016 wurden die Wasserkosten vorerst wieder abgeschafft.

Ein großes Problem mit den Häusern, welche in Zeiten des “Celtic Tigers” errichtet wurden sind, ist die Qualität.  Es sollten viele Häuser so schnell wie möglich gebaut werden, Quantität vor Qualität. Die Wände erinnern eher an Pappmaschee als vernünftige Bausubstanz und die Isolierung lässt zu wünschen übrig – was wiederum den Strompreis in die Höhe schießen lässt, da z.B. unsere Wohnung nicht in der Lage ist Wärme zu speichern. Das gilt natürlich nicht für alle Häuser, aber ich würde jedem empfehlen auf der Wohnungssuche genauestens auf diese Dinge zu achten. Sollten wir doch irgendwann umziehen, werde ich garantiert jede Wohnung nach undichten Stellen und robuster Bauweise untersuchen.

Lebensmittel sind eine Sache, die man in Irland zu selben Preisen bekommen kann –  vor allem da es fast überall Lidl und Aldi Filialen gibt. Eine dicke Ausnahme sind allerdings alkoholische Getränke. Die Steuern auf Bier und Wein übersteigen die Deutschen auf das 11-Fache. Irland hat die höchsten Steuern auf Wein und die dritt höchsten Steuern auf Bier in der EU. In dem Beitrag einer irischen Zeitung heißt es, dass man mit Anwendung der deutschen Alkoholsteuer lediglich 60cent für ein Pint bezahlen würde. In Wahrheit sind es allerdings stolze 5-6€. Für die billigste Flasche Wein aus dem Supermarkt zahlt man ca. 7€, für 20 Flaschen Heineken oder Carlsberg 16€. Trotz der hohen Alkoholpreise liegt Irland allerdings trotzdem auf dem vierten Platz aller 34 OECD Mitgliedstaaten (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) zu denen unter anderem Deutschland, UK, US, Australien und Japan gehören.

ZUSAMMENFASSUNG:

Unterhaltskosten

*das ist jetzt wirklich sehr generell gesagt und natürlich gibt es unglaublich viele Faktoren, die diese Endsumme beeinflussen können.

Ich hoffe ich habe euch mit diesem Beitrag nicht abgeschreckt. Anfangs war ich von den Preisen auch recht schockiert, doch mit der Zeit und einigen Nachforschungen lassen sich die günstigsten Optionen ausfindig machen. Ich schreib gerne nochmal einen ausführlicheren Beitrag mit meinen Spartips und einer Auflistung der besten Anbieter für Strom, Fernsehen, Internet und Co. Zudem werde ich auch noch einen Beitrag zu Transportmöglichkeiten veröffentlichen, für diejenigen, die überlegen nach Außerhalb zu ziehen.

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